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Immer wieder wird in den Medien kolportiert, es gebe zu viele Elefanten. Die meisten derartigen Berichte stammen aus Südafrika, einem der wenigen Länder Afrikas, in denen die Elefantenbestände in den vergangenen Jahrzehnten über längere Zeit angewachsen sind. Insgesamt gibt es nur vier Länder in Afrika (Namibia, Botswana, Simbabwe und Südafrika), die über die letzten Jahrzehnte hinweg eine Zunahme an Elefantenzahlen zu verzeichnen hatten. Und selbst in diesen Ländern hat die Wilderei seit kurzem stark zugenommen.

Im Zusammenhang mit den Berichten über "zu viele" Elefanten wird regelmäßig von der Vegetation gesprochen, die angeblich unter den zahlreichen Dickhäutern leide. Die Elefanten zerstörten den Wald, heißt es.

Hierzu muss man wissen, dass dieser Wald im südlichen Afrika nur deshalb so gewachsen ist, weil es aufgrund der exzessiven Bejagung bis zum 20. Jahrhundert dort nur mehr sehr wenige Elefanten gab. Vorher gab es diese üppige Vegetation dort gar nicht. Zudem stellt der Wald nicht die einzig erstrebenswerte Landschaftsform dar. Für die Biodiversität, also auch für andere Tier- und Pflanzenarten, sind ganz unterschiedliche Landschaftsformen nötig, also auch Savannen und offene Flächen.

Hinzu kommt, dass Elefanten nicht nur Bäume abbrechen und entrinden, sondern dass sie mit der weiten Verbreitung ihres Dungs, in dem sich die Samen von vielen Pflanzen befinden, auch neue Bäume pflanzen, und dass sie die Erde auch entscheidend düngen.

Mehr zu diesem Thema finden Sie hier.

Die "Schädlichkeit" der Elefanten ist also größtenteils als menschliche Projektion zu betrachten.

Wenn man hört, es gebe "zu viele Elefanten", sollte man auch immer im Hinterkopf behalten, dass einige südafrikanische Länder (Simbabwe, Südafrika, Namibia) die Stoßzähne ihrer Elefanten kommerziell nutzen wollen und dass ihre "Beschwerden" über die Überpopulation von Elefanten häufig nur als Argument für künftigen Elfenbeinhandel dienen.

Fakten zu Ländern, in denen die Elefantenzahl in den letzten Jahrzehnten gestiegen ist:

Botswana:

Im Gegensatz zu vielen Behauptungen ist die Elefantenzahl in Botswana in den letzten Jahren nicht mehr gestiegen, sondern seit 1996 stabil geblieben. Vor dieser Zeit ist die Elefantenpopulation in Botswana u.a. deshalb angewachsen, weil die klugen Tiere aus den Kriegsgebieten in Angola und Mozambik nach Botswana geflohen sind.

In Botswana geht es den Wildtieren deshalb gut, weil die dortige Regierung den Naturschutz wie auch den Fotosafari-Tourismus fördert. Bisher gab es dort nur wenig Wilderei, weil nicht so viele Straßen durch den Busch führen und somit die Wege für illegalen Elfenbeinhandel unzugänglicher sind. Es sind auch weniger lokale kriminelle Netzwerke für den Schmuggel vorhanden. Jedoch ist die Wilderei in jüngster Zeit auch in Botswana stark angestiegen. Botswana folgt, wie Kenia, dem Ideal einer minimalen Einmischung des Menschen in die Natur und umzäunt deshalb seine Naturschutzgebiete nicht.

Südafrika, Simbabwe, Namibia:

Diese drei Länder waren in der Vergangenheit von einer weißen Minderheit geführte Polizeistaaten, deren Sicherheitsstrukturen zum Teil noch vorhanden sind. Die wirtschaftliche Lage dieser Länder (zumindest in Südafrika und Namibia) ist stärker als im übrigen Afrika – deshalb sind auch genügend Geldmittel vorhanden, um wirksame Wildtier-Schutzmaßnahmen bezahlen zu können. Die Nationalparks und Wildreservate sind besser bewacht, als im übrigen Afrika, und so gab es weniger Wilderei. Leider hat sich dies auch in Südafrika und Namibia seit etwa 2012 verändert: Die Wilderei ist seither um ein Vielfaches angestiegen.

In Simbabwe, wo sich die Elefanten in der Vergangenheit ebenfalls vermehrt haben, gibt es jetzt in vielen Gebieten exzessive Wilderei, d.h. die Elefantenzahlen wachsen insgesamt auch nicht mehr, sondern gehen in einigen Regionen sogar ganz drastisch zurück.

Ein Grund, warum sich in Südafrika die Elefanten im Krüger-Nationalpark stark vermehrt haben, ist auch die Einwanderung von Dickhäutern, die vor der unsicheren Situation im Nachbarstaat Mosambik geflohen sind.

Der Hauptgrund für die Klagen über die vielen Elefanten, die in großer Zahl und ihrem Riesenhunger ganze Landstriche verwüsten, ist aber hauptsächlich in der Einzäunung der Naturschutzgebiete zu sehen, die in diesen Ländern üblich ist. Die Umzäunung bringt es mit sich, dass die Elefanten nicht so weit migrieren können, wie sie es natürlicherweise tun würden. Sie können sich also nicht über ein größeres Gebiet verteilen. Außerdem sind sie innerhalb ihrer Parkgrenzen angewiesen auf das, was ihnen das umzäunte Areal bietet. Eine solche  Abgrenzung der Schutzregionen erfordert indes menschliche Einmischung, wie z.B. Wasserzugaben in Dürrezeiten. Speziell Südafrika und Simbabwe haben die Tendenz, ihre Wildparks zu managen „wie Rinderfarmen“. (In den 60er Jahren gab es in diesen beiden Ländern auch Culling-Aktionen.) Nachdem vielerorts zu wenige natürliche Wasserquellen existieren, wird künstlich Wasser zugegeben. Inzwischen ist erwiesen, dass Umzäunung und Wasserzugabe Elefantenzahlen nicht nur erhöhen, sondern sogar potenzieren!

Durch permanente menschliche Einmischung in Ökosysteme werden natürliche Abläufe und Lebensumstände jedoch verhindert oder limitiert. Natürliche Auslese findet nur äußerst begrenzt statt.

Neuere Forschungen im Krüger Nationalpark zeigen, dass, sich die Elefantenpopulationen auf natürliche Weise wieder regulieren, wenn man genau diese Einmischungen des Menschen - Zäune und Wasserzugaben - reduziert bzw. unterlässt. Die Schließung von Wasserlöchern zwingt die Elefanten wieder dazu, weiter zu wandern, um an die nächste verfügbare Wasserstelle zu kommen. Früher war keine Wasserstelle mehr als 5 km von jeder beliebigen Stelle des Parks entfernt, so dass die Tiere keinen Grund hatten, viel umherzuziehen. Mit der Schließung von Wasserlöchern kam nicht nur die natürliche Auslese wieder zur Wirkung (mehr Kälber und ältere Elefanten starben), sondern es ging auch die Geburtenrate zurück. Durch die längeren Laufstrecken verringerte sich bei den Elefantenkühen die Bereitschaft zur Empfängnis, und der Geburtenrhythmus verlängerte sich.

Inzwischen wurden auch Zäune zwischen dem Krüger Nationalpark und Mozambique sowie Zäune zu einigen privaten Schutzgebieten im Westen niedergerissen, was den Elefanten mehr Raum gibt.

Allmählich setzt sich auch im südlichen Afrika die Meinung durch, dass die optimale Lösung für das „Elefantenproblem“ in grenzüberschreitenden Schutzgebieten und Korridoren für Elefantenwanderwege liegt. Dies wird auch zunehmend praktiziert. (Beispiele: KAZA und Greater Limpopo Transfrontier Park)

Fakten zu Ländern, in denen die Elefantenzahl in den letzten Jahrzehnten gefallen ist:

Ost-, Zentral- und Westafrika

Die Elefantenpopulationen des übrigen Afrika (mit nicht umzäunten Wildtiergebieten) haben sich entweder selbst reguliert (z.B. in Dürrezeiten) oder sie wurden durch Wilderei dezimiert.

In einigen der Länder herrschen Kriegszustände, oder sie sind umringt von Kriegsgebieten, wo Waffen zahlreich und leicht zugänglich sind. Dies begünstigt die Wilderei besonders stark. Vielerorts sind Rebellengruppen und terroristische Organisationen zugange, die ihre kriminellen Aktionen mit Elfenbeinhandel finanzieren.

Gerade in diesen Gebieten gibt es viele Menschen, die in Not sind und alles tun würden, um an Geld und/oder Nahrung zu gelangen, worunter auch das illegale Abschießen von Wildtieren fällt. Wilderei ist in vielen Staaten sehr verbreitet. Das Geschäft mit Elfenbein ist ungeheuer lukrativ und verführerisch - für Arme ebenso wie für Geldgierige.

Einige der Regierungen sind nicht besonders um den Tierschutz bemüht. Viele Beamte sind korrupt und profitieren selbst in irgendeiner Weise vom Elfenbeinhandel. Insgesamt ist in diesen Ländern weniger Geld für den Schutz der Naturgebiete vorhanden.

Die Nationalparks und Tierschutzgebiete sind hier nicht (oder nur teilweise) umzäunt. Deshalb kommt es häufiger zu Mensch/Tier-Konflikten, bei denen die Elefanten immer wieder den Kürzeren ziehen. Zudem hat die Bevölkerungsexplosion starke Auswirkungen: Zu viele Menschen beanspruchen Land, das früher Elefantenland war. Dies gilt eigentlich überall in Afrika, kommt aber in nicht umzäunten Gebieten mehr zum Tragen. Gebiete mit Wasservorkommen werden für Nutztiere beansprucht, die Wildtiere werden vertrieben.

Resümee:

- In den meisten afrikanischen Ländern gibt es aufgrund der starken Wilderei viel zu wenige Elefanten. Die Elefantenzahlen sind so niedrig wie nie zuvor in der Geschichte unseres Planeten - und werden durch die Wilderei ständig weiter dezimiert.

- Eine neue Studie widerlegt eindrücklich die Behauptung, es gebe zu viele Elefanten. Sie zeigt auf, dass tatsächlich nur ein Viertel der Elefantenanzahl vorhanden ist, die unter den Lebensbedingungen der afrikanischen Schutzgebiete zu erwarten wäre – sofern es die Wilderei nicht gäbe. Mit anderen Worten: In den 73 großen Schutzgebieten Afrikas ist ausreichend Platz und Nahrung für weitere 730.000 Savannenelefanten vorhanden.

- Jedoch ist die Population nur in vier (!) Staaten des südlichen Afrikas während der letzten Jahrzehnte tatsächlich angewachsen. Teilweise ist die lokale Zunahme an Elefanten nur auf Flucht vor Kriegszuständen aus anderen Ländern zurückzuführen (d.h., die Elefanten sind nicht zahlreicher geworden, sondern sie sind nur an andere Orte migriert.) In all diesen vier Ländern ist die Wilderei spätestens seit 2012 enorm angestiegen.

- In Berichten über "zu viele Elefanten" wird sowohl die Anzahl als auch die „Schädlichkeit“ der Elefanten für die Vegetation häufig stark übertrieben.

- Wo es sehr hohe Elefantendichten gibt (was nur an Orten im Süden Afrikas der Fall ist), erweist sich der Mensch durch Umzäunung und Wasserzugabe als direkte Ursache. Lösungen sind die Beseitigung dieser Maßnahmen wie auch die Einrichtung von Migrationskorridoren.

 

Quellen:

View from the Top (Elephants Without Borders, Michael Chase)
Africa Geographic, Aug. 2011

Temporal trends in elephant Loxodonta africana numbers and densities in northern Botswana: is the population really incrreasing?
(Jessica Junker, Rudi J. van Aarde, Sam M. Ferreira)
Jan. 2008

Megaparks for metapopulations: Addressing the causes of locally high elephant numbers in southern Africa
(Rudi J. van Aarde, Tim P. Jackson)
ScienceDirect, 2006

Savanna elephant numbers are only a quarter of their expected values
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0175942

Artikel "Natural ruses rule out culling for elephants"
http://conservationaction.co.za/recent-articles/no-culling-krugers-elephants/