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Elefanten-Workshop am Werner-Heisenberg-Gymnasium München

Wie schon im letzten Jahr wurde den Schülerinnen und Schülern des Werner-Heisenberg-Gymnasium in Garching bei München auch 2019 ein interaktiver Workshop angeboten, der sich mit dem Schutz von Elefanten befasst. Die dreistündige Veranstaltung fand am 23. Juli im Rahmen des Sozialen Tag statt, der seit fünf Jahren traditionell in der letzten Schulwoche durchgeführt wird. Mit Beginn der Woche machte der Lichtelefant in der Aula des Gymnasiums, das von rund tausend Schülerinnen und Schülern besucht wird, auf den freiwilligen Lehrgang aufmerksam. Trotz Limitierung der Teilnehmerzahl auf 25 war der Workshop, der sich an die Jahrgangsstufen 8 bis 11 richtete, überbucht.

Elefanten – vom Aussterben bedroht

Der einführende Vortrag von Future-for-Elephants-Vorstandsmitglied Dr. Christian Felix zeigte zunächst, an welchen Merkmalen sich die drei Elefantenarten – Asiatischer, Afrikanischer und Waldelefant – unterscheiden lassen. Nach einer Beschreibung der besonderen Sinne und Verhaltensweisen der intelligenten Dickhäuter und ihrer Bedeutung für die Ökosysteme folgte der Übergang zum Kernthema der 50seitigen PowerPoint-Präsentation: Elefanten sind vom Aussterben bedroht. Während in Asien noch ein kleiner Rest von ca. 35 000 Elefanten existiert – die meisten davon fristen ihr Dasein in Gefangenschaft unter oft entsetzlichen Umständen – sind seit Beginn der Kolonialisierung Afrikas durch die Europäer 98 % der dort lebenden Elefantenpopulationen ausgerottet worden. Heute bedrohen nach wie vor Wilderei, Lebensraumverlust, Mensch-Tier-Konflikte, der Bevölkerungszuwachs und die Trophäenjagd den verbleibenden Rest von etwa 450 000 Elefanten, von denen jährlich 20 000 bis 30 000 diesen Bedrohungen zum Opfer fallen. Wenn nicht auch die junge Generation Verantwortung übernimmt, werden die sanften Riesen in zwei Dekaden der Vergangenheit angehören.

Die Schüler erfuhren, dass Elfenbein für die asiatischen Märkte noch immer eine heiß begehrte Ware ist. Japan etwa fertigt Stempel aus den Stoßzähnen gewildeter Elefanten, wofür allein seit 1970 über 262 000 der Grauen Riesen ihr Leben lassen mussten. Aber auch die EU kann sich nicht zu einem totalen Handelsverbot durchringen und unterstützte bei der diesjährigen Artenschutz-Konferenz in Genf mit ihrem Abstimmungsverhalten den Zugriff Japans auf das weiße Gold.

Trophäenjagd – der Spaß der Kolonialherren im 21. Jahrhundert

Obwohl der ein oder andere Schüler schon einmal ein afrikanisches Land wie Namibia bereist hat, wusste niemand, dass Elefanten und andere bedrohte Wildtiere legal zum Spaß abgeschossen werden dürfen, wozu noch nicht einmal der Besitz eines Jagdscheins erforderlich ist. Die starke Lobby der Jagdsafari-Anbieter hat sich ein jährliches Abschusskontingent von rund 1000 Elefanten gesichert und begründet dies damit, dass die Einnahmen aus den hohen Tötungslizenzen dem Artenschutz und der lokalen Bevölkerung zugutekämen, was nachweisbar falsch ist und zur Mythenpflege der Trophäenjagd gehört. Ebenso wusste niemand, dass die „Sportschützen“ die Tiere, die sie in Afrika auf oft grausame Art getötet haben, nach Deutschland legal einführen dürfen. Das dem Bundesumweltministerium unterstellte Bundesamt für Naturschutz genehmigte 2018 die Einfuhr von 197 Jagdtrophäen von Tierarten, die akut vom Aussterben bedroht sind, darunter 48 Elefanten, 31 Leoparden, 8 Geparden, 3 Breitmaulnashörner, 17 Löwen, 4 Eisbären, 34 Flusspferde. Überdies unterstützt die Bundesregierung seit 2006 mit 280,5 Mio. Euro Projekte in Afrika, die Jagdkomponenten beinhalten. Wo das Geld nicht nachweisbar in sinnvolle Projekte fließt, versackt es in dunkle Kanäle und fördert die Korruption.

Den jungen Menschen wurde klar, dass der Verlust der Biodiversität inzwischen auch die sog. Megafauna erfasst hat, d.h. die größten Tiere eines Lebensraumes. Die Jugend muss sich mit Wissen in die laufenden Debatten einmischen, sie muss sich aktiv einsetzen, damit Elefanten, Nashörner, Giraffen, Löwen oder Eisbären eine Zukunft haben können. Möglichkeiten sich zu engagieren bieten gemeinnützige Organisationen wie Future for Elephants, die sich der Politikberatung verpflichtet fühlen und vorbildliche Projekte in Asien und Afrika, wie etwa die Save Elephant Foundation oder die Big Life Foundation, durch Spendengelder finanziell fördern.

Megafaunen der Vergangenheit – ausgerottet

Ein Kollege aus dem Fachbereich Biologie widmete sich anschließend ebenfalls dem Thema Aussterben, hier dem der prähistorischen Megafauna. Anhand von Arbeitsblättern erkannten die Schülerinnen und Schüler, dass der Zeitpunkt des Aussterbens etwa des Mastodons, einer amerikanischen Elefantenart, oder des Diprotodons, eines Riesenbeuteltiers in Australien, mit dem Zeitpunkt der Besiedelung der Kontinente durch den Homo Sapiens korreliert. Der Grund: Die größten Tiere kennen selbst keine Feinde und begegnen den Eindringlingen, die mit Distanzwaffen wie Pfeil und Speer ausgerüstet sind, ohne Fluchtinstinkt. Die leichte Beute verschafft den neuen Bewohnern zwar einen willkommenen Fleischvorrat, für die betroffene Tierart aber führt die Bejagung früher oder später zur Auslöschung; denn pro Schwangerschaft wird nur ein Junges hervorgebracht, und wegen der in der Regel langen Tragzeit – bei Elefanten beträgt sie beispielsweise 22 Monate – können sich die Populationen nicht schnell genug regenerieren. Nach dieser Overkill genannten Hypothese führt die Begegnung des Homo Sapiens mit einer Megafauna zwangsläufig zu deren Ausrottung. In Afrika hat sich der Elefant allerdings gleichzeitig mit dem Homo Sapiens entwickelt, so dass er sich an dessen Verhaltensweise anpassen konnte und noch heute existiert.

Ausgepeitscht bis zum Tod – das Leiden der Elefanten in Asien

Einen ganz anderen Aspekt des Elefantenschutzes zeigten geheime Undercover-Aufnahmen, die in einem asiatischen Camp aufgezeichnet worden sind, in dem junge Elefanten auf die Tourismusindustrie „vorbereitet“ werden. Keine Touristenattraktion wie das Reiten von Elefanten oder das Angebot, mit Elefanten für ein Foto zu posieren oder sie beim Malen zu beobachten, geschieht ohne die vorhergehende verborgene, aber gewalttätige Prozedur des „Phajaan“. Dabei werden die Elefantenkälber in die „Crush-Box“ gesperrt, bei Nahrungs- und Wasserentzug darin solange mit Elefantenhaken an empfindlichen Körperstellen geschlagen und gepeitscht, bis sie ihren Willen verloren haben. Das kann Tage dauern – manche überleben diese Tortur nicht. Die Elefanten nehmen sich selbst das Leben, indem sie auf ihren Rüssel treten. Diejenigen, die die Folter überstehen, erkennen ihre Mutter nicht wieder und verhalten sich wie willenlose Zombies – ganz wie beabsichtigt. Es war den Schülern freigestellt die Filmaufnahmen zu sehen, die wegen ihrer Brutalität nur schwer zu ertragen sind.

Lichtblicke

In der sich anschließenden Diskussion wurde auf die Premiere des Films „Love & Bananas“ in München hingewiesen, der die abenteuerliche Rettung eines Elefanten aus einem Touristencamp zeigt und dabei die Thailänderin Lek Chailert portraitiert, die die Methode des „Phajaan“ ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt hat und inzwischen in ihrem Land als Ikone des Elefantenschutzes verehrt wird. Mit dem Elephant Nature Park, in dem die einst geschundenen Tiere eine neue, natürliche Heimat finden, hat sie einen Bewusstseinswandel in Gang gesetzt, der weit über die Grenzen Thailands hinausreicht.

Den Abschluss des Vormittags bildete ein leicht zu lösendes, dreiseitiges Quiz, das sich mit Fragen rund um Elefant, Nashorn und Löwe befasste. Die Schülerinnen und Schüler zeigten insgesamt ein großes Interesse an den Themen des Workshops, meldeten sich rege zu Wort und stellten viele Fragen.