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Botswana ist etwa so groß wie Frankreich, dort leben indes nur 2,2 Mio. Einwohner. Das Land beherbergt mit 130 000 Elefanten die weltweit größte Elefantenpopulation, etwa ein Drittel aller noch lebenden Savannenelefanten Afrikas.

Aufgrund von massiver Wilderei, Trophäenjagd und Mensch-Elefant-Konflikten in den Nachbarländern Angola, Namibia, Sambia und Simbabwe haben sich in den vergangenen Jahren viele Tiere von dort zurückgezogen und sind in den Norden Botswanas gewandert, wo sie bisher relativ sicher waren. Aufgrund umfassender Schutzmaßnahmen blieb die Wilderei vergleichsweise gering. Überdies hatte Botswana 2014 die Trophäenjagd auf Elefanten beendet.

Die Situation droht sich für die Elefanten nun jedoch drastisch zu ändern. Mittlerweile eskaliert auch in Botswana die Wilderei. Der letzte Zufluchtsort der Elefanten Afrikas ist aber auch aus anderen Gründen in Gefahr: Seit Übergangspräsident Mokgweetsi Masisi im April 2018 sein Amt angetreten hat, stehen sowohl die Wiedereinführung der Trophäenjagd als auch regelmäßige Cullings zur Diskussion! [1] Hinter dem Begriff Culling verbirgt sich der Plan, die Elefantenpopulation zu reduzieren, indem ganze Herden komplett ausgelöscht werden. Das Fleisch der getöteten Elefanten soll als Hundefutter vermarktet werden. Weitere Maßnahmen sehen vor, die Wanderungen der Tiere teilweise durch Zäune zu unterbinden. Ein Deal mit China soll zudem Botswana zum Fleischlieferanten der Volksrepublik machen [2]. Wildgebiete werden Weideland weichen müssen – wo Rinder grasen, können Elefanten nur im Weg sein.

Hintergrund dieser gravierenden und für Elefanten desaströsen Maßnahmen ist zum einen die Forderung einiger Politiker, dass speziell die bisher unterentwickelten Regionen Botswanas künftig zusätzliches Einkommen durch die „Nutzung“ von Elefanten erhalten sollen. Zum anderen sollen damit Mensch-Elefant-Konflikte reduziert werden.

Dabei hat die reiche Tierwelt Botswana zu einem florierenden Öko- und Foto- Tourismus verholfen. Generell kommen 80% der Touristen nach Afrika, um ikonische Arten wie etwa die Elefanten zu sehen. In Botswana leistete der Tourismus im Jahr 2017 einen direkten Beitrag von 687,5 Mio. US-Dollar für die Wirtschaft. Dies entsprach 11,5% des Bruttoinlandsprodukts und 76 000 Arbeitsplätzen oder 7,6% der Gesamtbeschäftigung. Laut World Travel and Tourism Council weist das Land ein enormes Potenzial für weiteres Wachstum in diesem Sektor auf. Zum Vergleich: Die Trophäenjagd brachte im Jahr 2014 20 Mio. US-Dollar und 1000 (Saison-)Arbeitsplätze.

Überdies könnten die Trophäenjagd auf Elefanten, das Culling und die Verarbeitung von Elefanten zu Hundefutter den Tourismus massiv gefährden: Diese Themen spielen in der Besucherwahrnehmung mit Sicherheit eine Rolle. In Aussicht gestellte Einnahmen aus Jagd und Fleischhandel sollen einem Präsidentschaftskandidaten aber offenbar auch Wählerstimmen bescheren – denn im Oktober 2019 steht die nächste Präsidentenwahl an.

Zur Lösung von Mensch-Elefant-Konflikten wurde bereits eine ganze Reihe ausgezeichneter Konzepte entwickelt. Ein Beispiel unter dem Stichwort Ecoexist findet sich hier: www.ecoexistproject.org

Viel zu einer Lösung beitragen könnte auch das von der deutschen Bundesregierung mit 35 Mio. Euro unterstützte Megaparkprojekt in der KaZa-Region. Der geplante Großpark soll sich über fünf Länder erstrecken und den Tieren sichere Migrationsmöglichkeiten bieten. Würden die Ziele des Konzeptes auch nur annähernd erreicht, könnten Elefanten etwa wieder ihren Weg nach Angola und Sambia suchen, anstatt dauerhaft in Botswana zu bleiben. Leider ist die Umsetzung – an der auch der WWF beteiligt ist – bislang äußerst holperig [3].

Bitte unterstützen Sie diese Petitionen gegen die Wiederaufnahme der Trophäenjagd auf Elefanten:

Petition gegen die Import von Jagdtrophäen bedrohter Tierarten nach Deutschland:
www.change.org/grosswildjagd

Hier sechs weitere, vielversprechende Petitionen u.a. von D. Joubert, HSI und dem Global March for Elephants and Rhinos gegen die Trophäenjagd:


Hintergründe:

conservationaction.co.za/media-articles/killing-elephants-is-not-a-wise-way-to-win-votes/

Offener Brief zahlreicher NGOs an Präsident Masisi, das Verbot der Trophäenjagd nicht aufzuheben und keine Massentötung von Elefanten anzuordnen: Lesen Sie den Appell


Quellen:

[1] www.reuters.com/article/us-botswana-hunting/botswana-considers-allowing-big-game-hunting-culling-elephants-idUSKCN1QB15O
[2] yourbotswana.com/2018/09/16/government-confident-of-lucrative-chinese-market-for-botswana-beef/
[3] oxpeckers.org/2018/12/the-worlds-largest-paper-park/